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News 2017

Beklemmend aktuell und voller Leidenschaft

OZ vom 10.4.2017

THEATER BBS-Ensemble Katharsis bekam viel Applaus für „Jugend ohne Gott“
Rund 500 Zuschauer verfolgten das Stück von Ödön von Horváth.
VON KARIN EDEN

LEER - Faszinierend war die Aufführung des Theaterensembles Katharsis der Berufsbildenden Schulen am Freitagabend im Theater an der Blinke. Rund 500 Besucher waren beeindruckt von dieser Leistung. Der Roman „Jugend ohne Gott“ des österreichisch-ungarischen Schriftstellers Ödön von Horváth erschien 1937, ein Jahr später wurde er von den Nazis verboten. Diesen Roman inszenierten Iris Brunzema und Holger Schlüsselburg so raffiniert, dass er beklemmende Aktualität gewann.

Zu Beginn riefen die jungen Schauspieler Parolen durch den Saal. Schon waren die Zuschauer mitten drin im faschistischen Deutschland. Die Schüler hießen nur „N.“ oder „T.“, waren keine Individuen, nur Mitläufer in der faschistischen Welt.

Ein Schüler hatte sich in einem Aufsatz negativ über „Neger“ geäußert, was dem Lehrer missfiel. Dass ausgerechnet eine afrikanischstämmige BBS-Schülerin (Donna Nakibuule) als „Schüler N.“ die rassistischen Äußerungen gegenüber dem systemkritischen Lehrer verteidigte, führte die Szene zwar ad absurdum, verdeutlichte aber, dass die BBSSchüler in Rollen geschlüpft waren, die nichts mit ihrer realen Welt zu tun haben. Alle spielten die Rollen authentisch und voller Leidenschaft. Im „Ferienlager“ wurden die Schüler militärisch gedrillt. Luisa Kisch trat überzeugend als Feldwebel an. Beeindruckend war eine Szene, in der sich alle Schüler in Zeitlupe auf der Bühne bewegten und zwei Kameraden anfeuerten, die mühsam durch Matsch robbten.

Der Lehrer (Julius Schamon) und ein ehemaliger Kollege, genannt Julius Cäsar (Lena Feyen), waren die Einzigen, die sich dem faschistischen Feuersturm entgegenstellten. Cäsar mahnte eindringlich am Bühnenrand vor dem „Zeitalter der Fische“, in dem die Kälte regiert. Selbst der Pfarrer (Andrea de Vries) war überzeugt, dass die Kirche auf Seiten des Staates stehen müsse. So hat die gesamte Gesellschaft Gott verloren – die Jugend wächst ohne christliche Werte heran, voller Menschenverachtung, die in einen kaltblütigen Mord mündet und am Ende alle erstarren lässt.

Rockmusik erzeugte Spannung. Der Schüler-Chor katapultierte die Zuschauer mit dem Stück „Schrei nach Liebe“ von den Toten Hosen in die Gegenwart. Innere Monologe forderten den Darstellern einiges ab. Das spartanische Bühnenbild mit schwarzen Kästen passte gut zum Thema. Auf Nazi-Symbole wurde verzichtet, eine rote Fahne und Armbinden sprachen für sich. Immer wieder gab es Szenenapplaus und tosenden Beifall am Schluss – hochverdient.

„Schüler N.“ (Donna Nakibuule) sucht den Lehrer (Julius Schamon)
als Geist heim.

Das Stück „Jugend ohne Gott“ zeigt eine in Kälte erstarrte Gesellschaft. BILDER: EDEN

  


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