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Als die Farbe noch selbst gemischt wurde

OZ vom 6.12.2018


BILDUNG
Projekt des Monumentendienstes gibt Auszubildenden Einblick in alte Handwerkskunst Das Projekt „Vergangenheit hat Zukunft – Perspektive historisches Handwerk“ begann in Leer. Es wird in ganz Weser- Ems Station machen.

VON PETRA HERTERICH

LEER - Eier, Quark, Bier – diese Zutaten dienen als Basis für Farben. Für die Schüler der Ausbildungsklassen aus dem Bereich Farbtechnik und Raumgestaltung der Berufsbildenden Schulen II in Leer kam die Farbe am Mittwoch zum ersten Mal weder aus der Tube noch aus dem Eimer. Sie erhielten einen Einblick in die Handwerkstechnik der Vergangenheit.


Mit selbstgemischten Farben konnten Schüler aus dem Bereich
Farbtechnik und Raumgestaltung der Berufsbildenden Schulen II
in Leer erstmals ihr Handwerk auf traditionelle Art kennenlernen.
BILD: HERTERICH

Möglich machte das ein Projekt, das der Monumentendienst für den Bereich Weser-Ems ins Leben gerufen hat (siehe Infobox). Gestartet wurde in Leer. „Es fehlt an Handwerkern, die sich noch mit den historischen Bauweisen auskennen“, erklärt Bente Juhl, Pressesprecherin des Monumentendienstes, den Ursprung für das Projekt „Vergangenheit hat Zukunft – Perspektive historisches Handwerk“. Einen Tag lang erhalten die Schüler dabei einen Einblick in die Handwerkskunst ihrer Vorfahren.

„Es ist ein erster Impuls, den wir unseren Auszubildenden geben wollen“, sagt Schulleiter Torsten Janßen. „Normalerweise blicken wir in der Ausbildung ja immer nach vorne, auf die neuesten Techniken. Dadurch ist über die Jahre natürlich auch viel altes Wissen verloren gegangen.“ Janßen möchte in Zukunft einige Elemente dieser historischen Arbeitsweisen im Unterricht für das erste Ausbildungsjahr integrieren: „Wir werden mal sehen, ob wir das hinbekommen.“

Die Auszubildenden selbst waren von dem Blick zurück begeistert. Bereits im Oktober hatten die Maurer ihren Projekttag. Sie waren in der Leeraner Altstadt unterwegs, begutachteten dort das Haus Samson (Baujahr 1570 und Firmensitz von Wein Wolff ) und erfuhren im praktischen Teil wie man früher den Mörtel aus Muscheln herstellte.

Im Januar werden die Auszubildenden im Tischlerhandwerk ihre Tagesreise in die Vergangenheit antreten. Danach wird das Projekt die BBS II verlassen und an Berufsschulen in Wittmund, Norden, Aurich und dem restlichen Weser-Ems-Gebiet Station machen. Auch Thorsten Tooren, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Leer-Wittmund, ist froh darüber: „Es wäre ja ein riesen Verlust, wenn die alte Handwerkskunst verloren geht.“

Der Monumentendienst
Zur Stiftung Kulturschatz Bauernhof gehört auch der Monumentendienst. 2004 gegründet, ist er quasi eine Art Wartungsdienst für historische Gebäude. Er stellt zum Beispiel bei Sanierungen Kontakt zu Fachleuten her und hat auch Lager für historische Baumaterialien, etwa im Steinhaus Bunderhee.

Für das europäische Kulturjahr 2018 hat der Monumentendienst das Projekt „Vergangenheit und Zukunft – Perspektive historisches Handwerk“ auf den Weg gebracht.

Gefördert wird das Projekt mit 10 000 Euro aus einem EU-Programm, vermittelt durch das Land Niedersachsen.

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